Von der Schwierigkeit des ErwachsenwerdensU-Bahn

Bin ich schon tot? Auf diesem Blog sind seit Mai 2013 keine Einträge mehr erschienen. Inzwischen ist ein Jahr vergangen. Ein weiteres Jahr auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

Älter? Ja. Reifer? Auf keinen Fall!

Ich bin immer noch Mitt 20 und ohne Plan. Wieso muss das auch so schwierig sein, warum kriegen das andere hin, ich aber nicht?

Heute saß ich in der U-Bahn. Mir gegenüber ein junger Typ. Etwas dunklere Haut, modisches Outfit, eine Frisur, die viel besser ist als meine. Sportlicher Körper. (Verdammt, ich muss mich auch mal im Fitnessstudio anmelden). Es war so eine U-Bahn ohne einzelne Waggons. Jedenfalls lief da ein kleines Kind, vielleicht zwei Jahre alt, an der Hand seines Vaters die ganze U-Bahn entlang. Als es an dem Typen vorbei kam, blickte er von seinem Buch hoch und grinste das Kind an. So ganz kurz, vielleicht eine Sekunde. Keiner hat’s gemerkt, aber ich habe genau in diesem Moment in sein Gesicht gesehen. Ertappt.

Ich habe mich selbst ertappt, wie ich erkannte, dass der Typ mir gegenüber vielleicht zwei Jahre älter als ich war, aber wahrscheinlich schon längst reif für eine Familie. Irgendwann beginnen Jungs nämlich, Kinder nicht mehr nervig sondern so was wie süß zu finden. Dann heißt es zuschlagen, liebe Frauen!

Ich bin davon noch so weit entfernt, wie alle U-Bahnen Berlins zusammengenommen.

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10 Wahrheiten, die wir niemals aussprechen würden

  1. Allein schlafen ist erholsamer
  2. Mülltrennung interessiert keinen
  3. „Konservativ“ ist negativ besetzt, aber wir sehnen uns alle nach Beständigkeit und Werten
  4. Die Schulzeit war die beste Zeit unseres Lebens
  5. Wenn Freunde von uns in eine Beziehung kommen und wir Single sind, freuen wir uns insgeheim nicht sonderlich doll
  6. Wir lesen lieber Boulevard- und Klatschzeitungen als Zeitungen und Magazine mit langen, seriösen Texten
  7. Wir posten bei Facebook nur positive Ereignisse und wollen damit zumindest ein bisschen Neid bei anderen erzeugen
  8. Schreiende und weinende Kinder nerven
  9. Wenn wir bettelnde Menschen auf der Straße sehen, versuchen wir auszuweichen
  10. Wenn wir Menschen entgegen kommen, die wir nicht mögen, es unangenehm ist, sie anzusprechen (z. B. Ex-Partner), oder wir deren Namen nicht mehr wissen, kramen wir unser Handy raus und tun so, als würden wir eine SMS lesen oder schreiben

Treu-doof

Foto: Marco Verch / flickr

Foto: Marco Verch / flickr

Die BILD machte gestern mit einer, wie ich finde, ungewöhnlich nachdenklichen Story als Schlagzeile auf.

SEIT WANN IST TREUE OUT?
In der Liebe, im Beruf, unter Freunden: Kann man sich auf nichts mehr verlassen?

Im Grunde genommen ist es eher ein Plädoyer für mehr Verbindlichkeit, als ein normaler Artikel. In dem Text heißt es:

Ist Treue überhaupt noch zeitgemäß? Das, was uns von den Generationen vor uns unterscheidet, ist doch vor allem: die unendlichen Möglichkeiten! Die Auswahl! Wenn die Kassiererin im Supermarkt fragt, ob man „Treueherzen“ sammelt, sagen nur die „Uncoolen“ Ja. Der moderne Mensch ist allenfalls seinem Handy treu. Android oder iPhone. Ansonsten gilt: Wir lassen uns nicht binden! (…) Treue, das galt früher als Tugend. Heute hat es eher den Klang von: „treudoof“. Wer nach fünf Jahren immer noch in derselben Firma ist, gilt als arme Wurst.

Artikellink

Damit treffen die BILD-Leute einen Nerv, nämlich meinen. Das Leben ist unverbindlicher geworden, ich schließ mich da gar nicht aus. Jobs langweiligen mich nach ner Weile, auch die Stadt in der ich lebe. Binden? Äh… lieber nicht. Erstmal sehen. Und damit meint man meist, erstmal anderen Optionen zu checken. Und vom ganzen Optionen checken verliert man die eigentliche Entscheidung aus den Augen. So hangelt man sich von Option zu Option. Das geht auch ne ganze Weile gut, bei manchen vielleicht sogar das ganze Leben lang.

In dem Beitrag wird auch eine Expertin dazu befragt.

„Kein moderner Mensch gibt zu, dass er sich nach Treue und Bindung sehnt“, sagt die Autorin Birgit Ehrenberg („Die Mami-Falle“), „in Wirklichkeit tun wir das alle, gerade in diesen Zeiten der Unsicherheit und Unverbindlichkeit.“ Warum gestehen wir uns diese Sehnsucht nicht ein? Ehrenberg: „Weil wir stark erscheinen wollen. Keiner soll merken, dass man jemanden braucht und dass man gebraucht werden will. Treue ist das Gegenteil von Egoismus.“

Ein Bekannter von mir hat das mal in einem Artikel unter der Überschrift „Generation Maybe“ zusammengefasst. Im Text heißt es:

Es sind der Möglichkeiten zu viele, so scheint es. Wir haben vergessen, wie man Entscheidungen trifft. Und wir haben es uns in unserer Unentschlossenheit bequem gemacht.

Artikellink

Was könnte man denn alles verpassen, wenn man sich treu bindet? Man legt sich auf einen Partner fest und verliert damit die Möglichkeit, andere, vielleicht sogar bessere, zu entdecken. Wenn man erst einmal „vom Markt“ ist, fokussiert man sich auf die eine Person. Und ist das so schlimm? Es gibt Menschen, die lernen mit meinetwegen 16 ihren Partner fürs Leben kennen. Sie haben nie mit jemand anderem geschlafen. Manch einer würde sagen: „Oh, wie romantisch“. Und ein anderer: „Oh, meine Gott, was für eine Verschwendung.“

Kommen wir zur Freundschaft, ein Bereich, bei dem diese Angelegenheit – wie ich finde – noch dramatischer ist. Jeder braucht mindestens einen guten Freund. Doch auch hier gibt es viele, die sich nicht festlegen wollen. Party gern, gern mal was machen. Aber eine Freundschaft ist auch immer ein Investment, was über materielle Geburtstagsgeschenke und Partybegleitung hinausgeht. Sie muss gepflegt werden. Es muss etwas hineingebuttert werden, um etwas zurückzubekommen.

An eine Freundschaft sind auch immer ein paar Erwartungen gekoppelt. Und da liegt das Problem, mit diesen Erwartungen können viele nicht gut umgehen. Dabei sind es keine riesigen Erwartungen, eher Dinge wie Aufmerksamkeit, Interesse und für einander da sein, wenn es der andere braucht.

Da gibt es dann Situationen wie diese hier:

„Du, ich bin gerade in der Stadt, wollen wir was zusammen machen?“
„Nee, ich bin schon mit meinen Leuten von der Uni unterwegs.“

Löblich, dass sich Person 2 an seine Verabredungen hält und nicht absagt. Auch irgendwie treu. Doch dafür steht Person 1, der wahrscheinlich engere Freund, allein da, die Person, die offensichtlich nicht oft in der Stadt ist. Was hätte man tun können? Mit beiden weggehen. Das ist das, was ich mit Erwartungen meine, die man an Freunde hat – und die dann auch zu Überforderung führen können.

Treu sein ist eben auch anstrengend. Vielleicht ist das das Problem. Neulich erzählte mir jemand, er hätte Angst, durch eine Beziehung, seine Freiheit zu verlieren. Das Fazit des BILD-Artikels klingt etwas schwulstig, trifft es aber auf den Punkt:

Die Würde, die Selbstachtung erwächst aus dem Vermögen, sich selbst zu etwas verpflichten zu können – und dabei dann zu bleiben. Egal ob es eine Überzeugung, ein Mensch, ein Geschäft, ein Versprechen ist. Wir verraten, bevor wir jemand anders verraten, immer erst uns selbst.

Ist Treu sein out? An den entscheidenden Stellen hoffentlich nicht.

HachikoZum Abschluss die für mich schönste Geschichte von Treue: die vom Hund Hachiko. Er lebte in den 1920er-Jahren in Japan und holte sein Herrchen, einen Professor, jeden Tag pünktlich vom Bahnhof ab. Eines Tages starb der Professor in der Uni. Und was macht Hachiko? Er wartet jeden Tag, bei Wind und Wetter, zur gleichen Zeit an der gleichen Stelle auf sein Herrchen. Neun Jahre lang, bis zu seinem Tod.

Die Geschichte wurde mehrfach verfilmt, zuletzt 2009 mit Richard Gere. Aber sie ist wahr.

Vielleicht ist bei Hunden ja Treue cool? Bei mir jedenfalls auch noch.

In zehn Minuten vom Flughafen…

Tegel Airport Foto: A. Currell / fllickr

Tegel Airport Foto: A. Currell / fllickr

Ein Kollege und inzwischen guter Freund von mir arbeitet jetzt in Zürich. Er kommt für das Wochenende nach Berlin. Am Freitagabend habe ich ihn vom Flughafen abgeholt. Inzwischen hat es jeder in Deutschland zwangsweise mitgekriegt: Berlin und seine Flughäfen, das ist so eine Sache.

Der eine Prestigeflughafen „Willy Brandt International Airport Berlin Brandenburg“ – kurz BER – ist bald demnächst nie später mal fertig. Deswegen sind Tegel (Foto) und Schönefeld noch ne Weile in Betrieb. (Wobei man munkelt, dass sie wohl noch ewig in Betrieb bleiben.)

Ich bin ganz froh, dass mein Freund in Tegel gelandet ist. Ich mein, ganz ehrlich, wer baut denn einen Flughafen außerhalb der Stadt hin? Schönefeld und der BER, sofern er denn mal öffnet, sind gefühlte Lichtjahre von zu Hause entfernt. Tegel hingegen ist einfach per U-Bahn und Bus zu erreichen. Halbe Stunde, fertig. Das ist so ein bisschen wie die berühmte Rede von Edmund Stoiber, nur in echt.

In Tegel steigst du aus und bist im Grunde genommen in zehn Minuten… ach lassen wir das. So kam es, dass ich ihn nicht nur vom Flughafen abholen konnte, sondern dass wir auch noch ein Kaltgetränk zu uns genommen haben. Vom BER hätten wir ja ewig wieder zurückgebraucht.

Danke Wowi, lassen wir das mit dem BER doch einfach sein.

American Dortmund-Sieg at Champions League

Route 66 Diner

Route 66 Diner

Mein Freund Micha kommt wie ich von der Küste. Obwohl wir inzwischen beide in Berlin leben, haben wir uns lange nicht mehr gesehen. Also haben wir uns − relativ spontan, denn das klappt bei uns am besten − auf dem Kudamm verabredet. Ganz in der Nähe haben wir den Diner „Route 66“ entdeckt.

Michas klare Ansage war: „Fleeeisch!“

Kluge Entscheidung. Das Restaurant war genau nach unserem Geschmack. Klischeehaft amerikanisch, tolles Essen und wir haben uns genau vor einem großen Fernseher gesetzt. Was wir bis dahin noch nicht auf dem Schirm hatten: Hier wird später die Champions League übertragen: BVB Dortmund gegen Mala!

Kurze Zeit später wurde es da übelst voll. Wir hatten ja unsere Plätze und lecker zum Mampfen. Und wer hätte ahnen können, dass das Spiel sich in der Nachspielzeit noch so wendet?

Am Nebentisch saß ein Typ mit seiner Freundin. Nach der 90. Minute ging ER raus zum Rauchen (in dem Glauben, die Dortmunder fliegen mit 1:2 raus), während SIE weiterhin das Spiel verfolgte. Tja, durch die Scheibe konnte er dann die ganze Diners-Bar erst beim 2:2 und dann 3:2 jubeln sehen.

Ein schwarz-gelber Abend in einem rot-blau-weißen Ambiente. Wiederholungspflichtig!

Das erste Treffen danach

Die Trennung ist eigentlich nicht gar nicht so lange her. Was geblieben ist, sind viele offene Fragen. Doch seit dem sind ein paar Wochen vergangen. Und nun steht es an, das lang ersehnte Treffen.

Wie wird es sein? Wie wird man sich begrüßen? Was wird man fragen?

Und dann, dann sind die offenen Fragen gar nicht mehr so wichtig. Man redet übers Wetter, wie es einem so geht, was es Neues gibt. Das alltägliche Bla Bla zwischen zwei Menschen, die sich eigentlich gar nicht so gut kennen. Du ringst dich durch, die Fragen zu stellen, die dich vor einigen Wochen noch gequält haben. Doch die Antwort ist dir eigentlich schon egal, sobald die Frage ausgesprochen ist.

Du hörst trotzdem zu. Und während du hörst, was dort gesagt wird, in dem Café an der belebten Straße, wo nebenan ein kleines Kind spielt, ein Kellner die dreckigen Tassen vom Tisch räumt und die Leute auf der Straße vorbeigehen, merkst du nur eines:

Es ist gut, wie es jetzt ist.

Hipster-Alarm und Vorurteile

Hipster

Cubmundo / Flickr.com / CC-BY-SA-Lizenz

Am Wochenende war ich auf einer Party. Ich kannte nur die Gastgeberin, eine alte Freundin aus meiner Schulzeit, die jetzt beim Radio arbeitet. Ich lern ja gern neue Leute kennen – und dass die Party voll von Medienmenschen sein wird, war mir klar und auch nicht weiter schlimm. Bin ja selbst einer.

In der einen Ecke des Raumes standen ein paar Hipster – wie sie im Buche stehen. Berlin-typische Klamotten, alternative Frisur und riiiiesige Brillen. Ich hab nix gegen den Hipster-Style. Das sieht manchmal echt fesch aus, wenn es authentisch und gut durchdacht ist.

Aber die Brillen hätten direkt den 80er-Jahren entspringen könnten. Ehrlich Leute, das sieht doch nicht gut aus und es ist auch nicht cool. Trends verändern sich, früher waren solche Brillen schick (bzw. das einzige, was es zu kaufen gab). Aber heute? Größere Brillen können echt gut aussehen. Dann haben sie einen modernen Touch und passen in unsere Welt hinein – egal, ob Hipster oder nicht. Bitte verschont uns von den Ich-mach-bewusst-auf-oldschool-und-bin-noch-hipsterer-als-ihr-alle-Brillen.

Ich mag es, wenn Leute authentisch sind und nicht um des Hipstertums Willen aufgesetzt.

Nicht, dass mich da gleich eine Diskussion über Umweltkatastrophen, Tofu-Rezepten und Krötenwanderungen erwartet. Ich habe mich einfach mal dazugestellt und bin in ein Gespräch eingestiegen. Trotz meines 0815-Pullis, meiner All-day-Jeans und auch sonstiger Normalität wurde ich sofort gut aufgenommen.

Was soll ich sagen? Die „Hipster“ waren echt nett, wir haben uns super unterhalten.

Vorurteile fußen ja auf Erfahrungen und geben Orientierung im Leben. Dennoch sollten sie nie ein Grund sein, jemanden nicht anzusprechen. Ich bin nämlich auch ein ganz netter 🙂