Verarschen kann ich mich allein

Weißt du, du kannst nicht auf der einen Seite Angst haben, ich hätte noch jemand anderes. Angst haben, ich würde es nicht ernst mit dir meinen sondern nur spielen.

Ich hab dir gesagt, dass ich mit offenen Karten spiele. Dass ich nichts versprechen und nichts erzwingen kann. Aber, dass es gut aussieht und ich etwas empfinde, was ich lange nicht empfand.

Du hast Angst, spielst aber selbst – und zwar nicht mit offenen Karten. Du sagst nichts, du schweigst. Und dein Schweigen ist wie ein Schlag in die Magengrube.

Dafür spricht dein Online-Status auf irgendeiner Dating-Plattform Bände. „Auf der Suche nach Sex.“

Schönen Dank, verarschen kann ich mich allein. Sowieso kann ich alles viel besser allein. Das hast du mir wieder einmal gezeigt.

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Bitte leg mich doch nicht fest

Vor ein paar Wochen habe ich jemanden kennen gelernt. Nein, gar nicht über eine Dating-App oder so, ganz klassisch über eine Freundin. Sie meinte, wir würden gut zu einander passen und dann haben wir uns auf einen Kaffee getroffen.

Am Anfang ging alles super schnell. Und zwar so schnell, dass wir uns am ersten Tag gleich zweimal getroffen habe und wir auch gleich die Nacht miteinander verbracht haben. Zwar ohne Sex und so, aber wir haben uns dann fast jeden Tag gesehen. Erste Ausflugspläne wurden geschmiedet, wir haben eine Städtereise für ein langes Wochenende gebucht, um unsere junge Liebe zu genießen.

Foto: Sascha Kohlmann / flickr (CC-BY-SA)

Foto: Sascha Kohlmann / flickr (CC-BY-SA)

Doch plötzlich war da dieses Gefühl, es geht zu schnell. Ich beschwerte mich, wenn ich mal längere Zeit nichts hörte und bekam dann die Antwort: „Du, ich brauch ein bisschen auch meinen Freiraum.“

Der Freiraum dauert nun schon zwei Wochen an. Ich weiß gar nicht, was jetzt eigentlich ist. Sind wir zusammen? Heißt die Funkstille, dass es Aus ist? Oder war nie etwas und alles war doch „nur so“?

Warum können wir uns nicht mehr festlegen? Warum können wir nicht einfach mit offenen Karten spielen und sagen: „Ja, ich mag dich, lass es uns probieren.“

Stattdessen palavern wir rum, halten uns tausend anderen Optionen frei, lassen den Beziehungsstatus im Netz auf „Single“ – man könnte ja eine gute Gelegenheit verpassen.

Ist das typisch für unsere Generation, dass wir uns nicht mehr festlegen wollen und stattdessen uns gegenseitig im Ungewissen lassen?

Schreibt mir eure Meinungen und Erfahrungen.

Tom.

Von der Schwierigkeit des ErwachsenwerdensU-Bahn

Bin ich schon tot? Auf diesem Blog sind seit Mai 2013 keine Einträge mehr erschienen. Inzwischen ist ein Jahr vergangen. Ein weiteres Jahr auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

Älter? Ja. Reifer? Auf keinen Fall!

Ich bin immer noch Mitt 20 und ohne Plan. Wieso muss das auch so schwierig sein, warum kriegen das andere hin, ich aber nicht?

Heute saß ich in der U-Bahn. Mir gegenüber ein junger Typ. Etwas dunklere Haut, modisches Outfit, eine Frisur, die viel besser ist als meine. Sportlicher Körper. (Verdammt, ich muss mich auch mal im Fitnessstudio anmelden). Es war so eine U-Bahn ohne einzelne Waggons. Jedenfalls lief da ein kleines Kind, vielleicht zwei Jahre alt, an der Hand seines Vaters die ganze U-Bahn entlang. Als es an dem Typen vorbei kam, blickte er von seinem Buch hoch und grinste das Kind an. So ganz kurz, vielleicht eine Sekunde. Keiner hat’s gemerkt, aber ich habe genau in diesem Moment in sein Gesicht gesehen. Ertappt.

Ich habe mich selbst ertappt, wie ich erkannte, dass der Typ mir gegenüber vielleicht zwei Jahre älter als ich war, aber wahrscheinlich schon längst reif für eine Familie. Irgendwann beginnen Jungs nämlich, Kinder nicht mehr nervig sondern so was wie süß zu finden. Dann heißt es zuschlagen, liebe Frauen!

Ich bin davon noch so weit entfernt, wie alle U-Bahnen Berlins zusammengenommen.

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Treu-doof

Foto: Marco Verch / flickr

Foto: Marco Verch / flickr

Die BILD machte gestern mit einer, wie ich finde, ungewöhnlich nachdenklichen Story als Schlagzeile auf.

SEIT WANN IST TREUE OUT?
In der Liebe, im Beruf, unter Freunden: Kann man sich auf nichts mehr verlassen?

Im Grunde genommen ist es eher ein Plädoyer für mehr Verbindlichkeit, als ein normaler Artikel. In dem Text heißt es:

Ist Treue überhaupt noch zeitgemäß? Das, was uns von den Generationen vor uns unterscheidet, ist doch vor allem: die unendlichen Möglichkeiten! Die Auswahl! Wenn die Kassiererin im Supermarkt fragt, ob man „Treueherzen“ sammelt, sagen nur die „Uncoolen“ Ja. Der moderne Mensch ist allenfalls seinem Handy treu. Android oder iPhone. Ansonsten gilt: Wir lassen uns nicht binden! (…) Treue, das galt früher als Tugend. Heute hat es eher den Klang von: „treudoof“. Wer nach fünf Jahren immer noch in derselben Firma ist, gilt als arme Wurst.

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Damit treffen die BILD-Leute einen Nerv, nämlich meinen. Das Leben ist unverbindlicher geworden, ich schließ mich da gar nicht aus. Jobs langweiligen mich nach ner Weile, auch die Stadt in der ich lebe. Binden? Äh… lieber nicht. Erstmal sehen. Und damit meint man meist, erstmal anderen Optionen zu checken. Und vom ganzen Optionen checken verliert man die eigentliche Entscheidung aus den Augen. So hangelt man sich von Option zu Option. Das geht auch ne ganze Weile gut, bei manchen vielleicht sogar das ganze Leben lang.

In dem Beitrag wird auch eine Expertin dazu befragt.

„Kein moderner Mensch gibt zu, dass er sich nach Treue und Bindung sehnt“, sagt die Autorin Birgit Ehrenberg („Die Mami-Falle“), „in Wirklichkeit tun wir das alle, gerade in diesen Zeiten der Unsicherheit und Unverbindlichkeit.“ Warum gestehen wir uns diese Sehnsucht nicht ein? Ehrenberg: „Weil wir stark erscheinen wollen. Keiner soll merken, dass man jemanden braucht und dass man gebraucht werden will. Treue ist das Gegenteil von Egoismus.“

Ein Bekannter von mir hat das mal in einem Artikel unter der Überschrift „Generation Maybe“ zusammengefasst. Im Text heißt es:

Es sind der Möglichkeiten zu viele, so scheint es. Wir haben vergessen, wie man Entscheidungen trifft. Und wir haben es uns in unserer Unentschlossenheit bequem gemacht.

Artikellink

Was könnte man denn alles verpassen, wenn man sich treu bindet? Man legt sich auf einen Partner fest und verliert damit die Möglichkeit, andere, vielleicht sogar bessere, zu entdecken. Wenn man erst einmal „vom Markt“ ist, fokussiert man sich auf die eine Person. Und ist das so schlimm? Es gibt Menschen, die lernen mit meinetwegen 16 ihren Partner fürs Leben kennen. Sie haben nie mit jemand anderem geschlafen. Manch einer würde sagen: „Oh, wie romantisch“. Und ein anderer: „Oh, meine Gott, was für eine Verschwendung.“

Kommen wir zur Freundschaft, ein Bereich, bei dem diese Angelegenheit – wie ich finde – noch dramatischer ist. Jeder braucht mindestens einen guten Freund. Doch auch hier gibt es viele, die sich nicht festlegen wollen. Party gern, gern mal was machen. Aber eine Freundschaft ist auch immer ein Investment, was über materielle Geburtstagsgeschenke und Partybegleitung hinausgeht. Sie muss gepflegt werden. Es muss etwas hineingebuttert werden, um etwas zurückzubekommen.

An eine Freundschaft sind auch immer ein paar Erwartungen gekoppelt. Und da liegt das Problem, mit diesen Erwartungen können viele nicht gut umgehen. Dabei sind es keine riesigen Erwartungen, eher Dinge wie Aufmerksamkeit, Interesse und für einander da sein, wenn es der andere braucht.

Da gibt es dann Situationen wie diese hier:

„Du, ich bin gerade in der Stadt, wollen wir was zusammen machen?“
„Nee, ich bin schon mit meinen Leuten von der Uni unterwegs.“

Löblich, dass sich Person 2 an seine Verabredungen hält und nicht absagt. Auch irgendwie treu. Doch dafür steht Person 1, der wahrscheinlich engere Freund, allein da, die Person, die offensichtlich nicht oft in der Stadt ist. Was hätte man tun können? Mit beiden weggehen. Das ist das, was ich mit Erwartungen meine, die man an Freunde hat – und die dann auch zu Überforderung führen können.

Treu sein ist eben auch anstrengend. Vielleicht ist das das Problem. Neulich erzählte mir jemand, er hätte Angst, durch eine Beziehung, seine Freiheit zu verlieren. Das Fazit des BILD-Artikels klingt etwas schwulstig, trifft es aber auf den Punkt:

Die Würde, die Selbstachtung erwächst aus dem Vermögen, sich selbst zu etwas verpflichten zu können – und dabei dann zu bleiben. Egal ob es eine Überzeugung, ein Mensch, ein Geschäft, ein Versprechen ist. Wir verraten, bevor wir jemand anders verraten, immer erst uns selbst.

Ist Treu sein out? An den entscheidenden Stellen hoffentlich nicht.

HachikoZum Abschluss die für mich schönste Geschichte von Treue: die vom Hund Hachiko. Er lebte in den 1920er-Jahren in Japan und holte sein Herrchen, einen Professor, jeden Tag pünktlich vom Bahnhof ab. Eines Tages starb der Professor in der Uni. Und was macht Hachiko? Er wartet jeden Tag, bei Wind und Wetter, zur gleichen Zeit an der gleichen Stelle auf sein Herrchen. Neun Jahre lang, bis zu seinem Tod.

Die Geschichte wurde mehrfach verfilmt, zuletzt 2009 mit Richard Gere. Aber sie ist wahr.

Vielleicht ist bei Hunden ja Treue cool? Bei mir jedenfalls auch noch.